Die Tage werden kürzer, die Dämmerung setzt früher ein – und damit beginnt statistisch gesehen die Zeit, in der Einbrecher besonders aktiv werden. Auch in der Region Aachen ist das Thema Einbruchsschutz in den Herbst- und Wintermonaten wieder präsent. Doch wie real ist die Gefahr tatsächlich? Und was können Bürgerinnen und Bürger konkret tun, um sich zu schützen?
Die Statistik: Weniger Einbrüche, aber kein Grund zur Sorglosigkeit
Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Laut Bundeskriminalamt wurden 2023 bundesweit rund 65.000 Einbrüche registriert – deutlich weniger als noch vor zehn Jahren. Auch in Nordrhein-Westfalen, das lange als Hochburg der Einbruchskriminalität galt, zeigt die Kurve nach unten.
Für die Städteregion Aachen und die Stadt Aachen selbst bietet die Polizei Aachen ein hilfreiches Instrument: das Einbruchsradar unter polizei.nrw. Dort lassen sich aktuelle Einbrüche der vergangenen Wochen nach Stadtteil und Zeitraum visualisieren. Die Karte zeigt: Einbrüche sind kein Massenphänomen, aber sie passieren – und zwar oft dort, wo man es nicht erwartet.
Interessant ist auch die Aufklärungsquote: Sie liegt bundesweit bei etwa 18 Prozent. Das bedeutet: In vier von fünf Fällen bleiben die Täter unentdeckt. Ein Grund mehr, auf Prävention zu setzen.
Wann schlagen Einbrecher zu?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Einbrecher kämen vor allem nachts, zeigt die Polizeistatistik ein anderes Bild: Die meisten Einbrüche ereignen sich tagsüber oder in den frühen Abendstunden – zwischen 10 und 20 Uhr. Gerade in den Wintermonaten nutzen Täter die frühe Dämmerung und die Tatsache, dass viele Berufstätige noch nicht zu Hause sind.
Auch das Wochenende ist keine Garantie für Sicherheit. Viele Einbrüche passieren freitags bis sonntags, wenn Bewohner unterwegs sind oder im Urlaub.
Was schreckt Einbrecher ab?
Die Polizei Aachen betont: Einbrecher suchen in der Regel das schnelle, risikoarme Gelegenheitsziel. Wenn eine Tür oder ein Fenster nicht innerhalb weniger Minuten geöffnet werden kann, wird häufig abgebrochen. Das bedeutet: Mechanischer Schutz ist die Basis – alles andere ergänzt.
1. Mechanische Sicherungen: Die erste Verteidigungslinie
Einbruchhemmende Türen und Fenster mit geprüften Widerstandsklassen (RC 2 oder höher) sind laut Polizei die wirksamste Maßnahme. Dazu gehören:
Türsicherungen: Zusätzliche Schließbleche, Panzerriegel, Querriegelschlösser
Fenstersicherungen: Abschließbare Fenstergriffe, Pilzkopfverriegelungen, Aufschraubsicherungen
Kellerfenster und Lichtschächte: Oft unterschätzte Schwachstellen, die gesichert werden sollten
Die Investition liegt je nach Umfang zwischen 500 und 3.000 Euro. Doch: Es gibt staatliche Förderungen. Die KfW-Bank bietet über das Programm „Altersgerecht Umbauen" Zuschüsse für Einbruchschutz – unabhängig vom Alter der Antragsteller.
2. Smarte Technik: Sinnvolle Ergänzung
Alarmanlagen, Überwachungskameras und smarte Beleuchtung können abschreckend wirken – sind aber nur in Kombination mit mechanischen Sicherungen wirklich effektiv. Die Polizei warnt vor dem Trugschluss, dass Kameras allein schützen. Viele Täter sind vermummt, und eine Kamera verhindert keinen Einbruch – sie dokumentiert ihn.
Noch sinnvoller sind KI gestütze Kameras, die unberechtigte Personen erkennen können und per PushUp eine Meldung auf das Smartphone senden. Sinnvoll können auch sein:
Zeitschaltuhren für Licht und Rollläden, um Anwesenheit zu simulieren
Bewegungsmelder mit Beleuchtung im Außenbereich. Hochwertige Alarmanlagen.
3. Verhalten im Alltag: Kleine Maßnahmen, große Wirkung
Auch das eigene Verhalten spielt eine Rolle:
Türen und Fenster schließen – auch bei kurzer Abwesenheit. „Gekippte Fenster sind offene Fenster", so die Polizei.
Keine Hinweise auf Abwesenheit: Volle Briefkästen, nicht geräumte Einfahrten oder Social-Media-Posts über den Urlaub sind Einladungen.
Nachbarschaftliche Aufmerksamkeit: Wer fremde Personen beobachtet, die sich auffällig verhalten, sollte die Polizei informieren – nicht erst nach einem Einbruch.
Was tun, wenn es doch passiert?
Sollten Sie einen Einbruch bemerken: Betreten Sie die Wohnung nicht. Rufen Sie sofort die Polizei unter 110. Verändern Sie nichts am Tatort, um Spurensicherung zu ermöglichen. Informieren Sie anschließend Ihre Versicherung.
Viele Versicherungen bieten bei ausreichendem mechanischem Schutz günstigere Tarife. Ein Blick in die Vertragsbedingungen lohnt sich – oft werden bestimmte Sicherungsmaßnahmen vorausgesetzt, um im Schadensfall vollen Ersatz zu erhalten.
Die Kriminalprävention der Polizei Aachen bietet kostenlose Beratungen an – sowohl in der Dienststelle als auch vor Ort. Experten prüfen Schwachstellen und geben konkrete Empfehlungen. Termine können über die zentrale Rufnummer oder die Website der Polizei Aachen vereinbart werden.
Auch lokale Handwerksbetriebe und Sicherheitsunternehmen bieten Sicherheitschecks an – hier lohnt sich ein Vergleich, da die Qualität stark variieren kann. Die Polizei empfiehlt, auf zertifizierte Fachbetriebe zu achten.
Prävention zahlt sich aus
Einbruchsschutz ist keine Frage von Paranoia, sondern von nüchterner Risikoabwägung. Die Zahlen zeigen: Wo mechanische Sicherungen vorhanden sind, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass Täter abbrechen. Und wo Nachbarschaften aufmerksam sind, sinkt das Risiko weiter.
Die Region Aachen ist kein Brennpunkt der Einbruchskriminalität – aber auch hier gilt: Wer vorsorgt, schützt nicht nur sein Eigentum, sondern auch sein Sicherheitsgefühl im eigenen Zuhause. Ein Blick ins Einbruchsradar, ein Gespräch mit der Polizei und ein paar hundert Euro für solide Sicherheitstechnik können viel bewirken.
Weitere Informationen und das Einbruchsradar finden Sie unter: www.polizei.nrw