Höherer Mindestlohn, sinkende Energiekosten und eine Revolution in der Altersvorsorge: Deutschland steht vor einem Jahr voller Weichenstellungen. Während Verbraucher finanziell aufatmen können, fordert der digitale Wandel Wirtschaft und Verwaltung heraus. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.
VON UNSERER REDAKTION
AACHEN. Das Jahr 2026 beginnt mit einer spürbaren Entlastung für Millionen Haushalte. Nach den krisengeprägten Vorjahren setzt die Bundesregierung auf ein Paket, das vor allem Geringverdiener, Familien und Pendler stärken soll. Doch hinter den reinen Zahlen verbirgt sich ein tiefergehender Strukturwandel – von der „Aktivrente“ bis zur digitalen Akte.
1. Finanzen: Mehr Netto und günstigere Energie
Die wohl wichtigste Nachricht für Arbeitnehmer: Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar auf 13,90 Euro pro Stunde. Damit einher geht eine Anhebung der Minijob-Grenze auf 603 Euro.
Gleichzeitig greift eine steuerliche Entlastungswelle:
Grundfreibetrag: Er steigt auf 12.348 Euro, sodass erst ab diesem Einkommen Steuern fällig werden.
Familien: Das Kindergeld klettert auf 259 Euro pro Kind, flankiert von höheren Kinderfreibeträgen.
Pendler: Die Entfernungspauschale wird vereinheitlicht und beträgt nun ab dem ersten Kilometer 38 Cent.
Besonders bei den Nebenkosten gibt es Entwarnung: Die Gasspeicherumlage fällt weg, und massive Bundeszuschüsse drücken die Strom-Netzentgelte. Experten rechnen damit, dass ein durchschnittlicher Haushalt dadurch bis zu 160 Euro im Jahr sparen kann.
2. Arbeit und Rente: Das Modell „Aktivrente“
Ein Novum im deutschen Sozialsystem ist die Einführung der Aktivrente. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird das Weiterarbeiten nach Erreichen der Regelaltersgrenze (für den Jahrgang 1960 nun 66 Jahre und 4 Monate) massiv belohnt: Wer im Job bleibt, kann bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen.
Für die jüngere Generation startet die sogenannte Frühstart-Rente, ein staatsfondsähnliches Modell, bei dem für Kinder und Jugendliche Gelder am Kapitalmarkt angelegt werden, um die gesetzliche Rente langfristig zu stützen.
3. Gastronomie und Alltag: 7 Prozent für das Schnitzel
Gute Nachrichten für Restaurantbesucher: Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie sinkt dauerhaft zurück auf den ermäßigten Satz von 7 Prozent. Damit endet die langjährige Debatte um die Belastungen für Wirte und Gäste – auch wenn Getränke weiterhin mit 19 Prozent besteuert werden. Im Handel wird zudem die Kartenzahlungspflicht ausgeweitet; Kunden haben nun einen Anspruch darauf, auch Kleinstbeträge digital zu begleichen.
4. Umwelt und Digitales: Europa zieht die Zügel an
Im Bereich Nachhaltigkeit setzt die EU neue Standards. Ab August 2026 tritt die neue Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft, die PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelverpackungen verschärft und strengere Recyclingquoten vorschreibt.
In der Verwaltung wird es ernst mit der Digitalisierung: Ab dem 1. Januar 2026 müssen Gerichte bundesweit verpflichtend mit der elektronischen Akte arbeiten. Für Unternehmen dient das Jahr 2026 zudem als finale Übergangsphase zur verpflichtenden E-Rechnung im B2B-Bereich, die ab 2027 zum Standard wird.
5. Mobilität: Teureres Ticket, längere Steuerbefreiung
Pendler müssen sich beim Deutschlandticket auf einen neuen Preis von 63 Euro einstellen. Wer hingegen auf das eigene E-Auto setzt, profitiert von der verlängerten Kfz-Steuerbefreiung für Neuzulassungen bis Ende 2030.
Fazit: Ein Jahr der Konsolidierung
Das Jahr 2026 wirkt wie ein Versuch, die soziale Schere zu schließen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit durch gezielte Anreize (Stromsteuersenkung für die Industrie, Aktivrente) zu sichern. Ob die Entlastungen die inflationsbedingten Reallohnverluste der Vorjahre vollends ausgleichen können, wird die wirtschaftliche Bilanz am Jahresende zeigen.